Konzertreview #3_1

Wir waren gestern noch nicht ganz zufrieden mit der Darstellung des Konzertberichtes. Ihr seht, so ganz fit sind wir dann manchmal auch noch nicht, was die Technik betrifft. Daher möchtern wir nun nochmal einen optimierteren Versuch wagen, und hoffen nun, die beste Darstellungsversion für alle gefunden zu haben. Bitte entschuldigt also das kleine Hin und Her. Chris, Deinen Kommi haben wir auch gelesen und uns gefreut. Bitte nicht böse sein, wenn der jetzt nicht mehr zu sehen ist, durch die erneute Veröffentlichung des Artikels :-/ Los geht’s…

Bericht über Placebo beim Sundance Film and Music Festival
in London am 28. April 2012, © Luzie

Schon fünf Monate zuvor, am Morgen des 29. November 2011, begann für mich mit dem Ticketkauf die Vorfreude auf mein erstes Placebo-Konzert für das Jahr 2012.

Ende März war im Internet dann plötzlich folgendes zu lesen: „…there will be a Sundance Festival Special Event that includes the worldwide theatrical premier screening of the documentary ‘Coming Up For Air’ about global selling rock act PLACEBO, as well as a very special Question + Answer session with the members of PLACEBO and the director, Charlie Targett-Adams.“ So wurde das wenige Stunden vor dem Konzert im Londoner O2-Komplex stattfindende Event angekündigt. Wie so oft war die Information schon einen Tag vor dem Verkaufsstart der Tickets durchgesickert und in der festen Überzeugung, dass „the members of Placebo“ ein sehr dehnbarer Begriff ist, der auf keinen Fall die komplette Truppe umfasst, sondern eher zu interpretieren ist als: Steve wird anwesend sein zum Quatschen mit den Fans, und zwar NUR Steve, und ebenso überzeugt davon, dass nicht jeder Zuschauer alles fragen darf, wie auch immer das organisiert werden kann, dass unangenehme Fragen ausgesiebt werden (Fragen vorher einreichen?), war für mich klar, dass ich dort nicht hingehen würde. In der Annahme, dass die Mädels, mit denen ich in London unterwegs sein würde, auf so eine Veranstaltung, die verspricht, was sie nicht halten kann, ebenfalls keine große Lust haben, zumal alle eh schon die Doku kennen, hatte ich niemanden dazu angestachelt, mir ein Ticket zu kaufen, da der Verkauf während meiner Arbeitszeit stattfinden würde und ich infolgedessen keine Gelegenheit haben würde, mich im Internet einzuloggen. Wie falsch lag ich mit meinen Ansichten aber, und zwar mit allen!

Sämtliche Freundinnen hatten ein Ticket geordert, na super! Berauschende Aussicht, alleine in der Warteschlange fürs Konzert zu sitzen oder – je nach Wetterlage – zu stehen, während alle anderen kuschelig im Kino hocken. Na ja, ganz alleine wäre ich nicht gewesen, ich kenne ja doch ein paar Leute aus der Placebowelt, aber trotzdem fand ich das alles erstmal doof. Durch puren Zufall konnte ich übers Internet von einer Person, die nun doch nicht zu der Veranstaltung gehen wollte, eine Woche vor dem Event ein Ticket für Film & Blabla kaufen! Aber ich war weiterhin sehr skeptisch, ob sich das wirklich lohnt.

Als wir um die Mittagszeit am O2-Komplex ankamen (so früh, weil ich ja mein Kinoticket entgegennehmen musste), stellte sich für meine Freundinnen nach wie vor das scheinbar unlösbare Problem: Queuing oder nicht? Aber welchen Sinn macht das Hocken in der Warteschlange, wenn man diese kurz vor 17 Uhr ohnehin verlassen würde, um ins Kino zu gehen? Wir beschlossen, mal nachschauen zu gehen, wie es in Sachen Warteschlange aussah, und alles spontan zu entscheiden. Am Tag vorher, als wir uns den riesigen O2-Komplex angeschaut hatten, waren wir ganz positiv davon überrascht, dass der Eingang zur Konzerthalle im Inneren des O2 liegt, also schön warm, umgeben von Cafes und Restaurants, da schien das Warten ja eh nicht so übel zu sein wie bei anderen Gelegenheiten. Bloß dass am 28. April dann doch alles etwas anders war: Man hatte die Wartenden kurzerhand ausgelagert – VOR das O2, wo sich Wind, Regen und Kälte einen harten Fight lieferten (während es zu Hause offenbar um die 30° warm war)! Da war unsere Entscheidung schnell getroffen: Nix anstellen, ab ins Cafe! Und danach zum Thailänder zu Mittag essen.

Die vielen freundlichen Volunteers vom Sundance Festival rieten uns, gegen 15.00 bis 15.30 Uhr fürs Kino anzustehen, damit wir einen guten Platz bekommen. Aber anstehen fürs Kino? Sieht man nicht von überall gleich gut? Oder kommt etwa doch die komplette Band? Letzteres konnte (oder wollte?) man uns nicht beantworten und obwohl unsere Erwartungen so tief waren, wie es weiter nach unten nicht mehr geht, fanden wir uns gegen 15.00Uhr im Foyer des Kinos ein, wo sich schon ein Mini-Schlängelchen gebildet hatte. Dort versuchten wir es uns auf dem Teppichboden, der bestimmt voller Bazillen war, einigermaßen bequem zu machen. Nach und nach kamen immer mehr Leute und auf einmal, so gegen 16.10 Uhr schätzungsweise, machten die Ordner ohne Vorwarnung die Absperrung auf und alle rannten wie von der Tarantel gestochen in Kino Nr. 7. What the hell? Ich hinterher, die Mädels natürlich längst über alle Berge, aber freundlicherweise hatten sie mir ein Plätzchen in der ersten Reihe freigehalten. Schonmal ‘nen Kinofilm aus der ersten Reihe gesehen? Nackenschmerz galore! Und zum x-ten Mal fragten die Mädels die Volunteers, ob sie denn wüssten, ob die ganze Band zum Fragenbeantworten erscheint. Nö, wussten sie nicht. Aber an der Leinwand lagen vier Mikros auf dem Boden – laut Theorie einer Freundin je eins für Brian, Stef und Steve und den Moderator. Ich war weiterhin skeptisch, denn der Regisseur Charlie Targett-Adams sollte ja auch zu Wort kommen. Wenige Minuten später war immerhin klar, für wen die reservierten Plätze im Zuschauerraum gedacht waren: Diverse Freunde (u.a. Dan aus Steves Band Planes) und Familienmitglieder der drei Musiker nahmen dort Platz und nochmals ein paar Minuten später – Trommelwirbel – betraten Brian, Stef, Steve, Nick und Fiona das Kino und setzten sich dazu. Somit war DAS nun geklärt und ich hatte dann erst einmal eine gute Stunde Zeit, um meinen Herzschlag noch einmal auf Normalfrequenz zu bringen.

Auch wenn ich die Doku schon mehrmals gesehen habe, war es etwas ganz anderes, das Ganze mal in einem Kino auf Riesenleinwand und mit entsprechendem Sound zu sehen und zu hören (und mit Herrn Molko & Co. im stark angewinkelten Nacken). Noch während der Abspann lief, bauten die Sundance-Helfer mehrere Klappstühle in dem Bereich vor der Leinwand und somit auch vor mir auf. Und dann kamen sie nach vorne – Brian, Stef, Steve und Regisseur Charlie, begleitet von dem Moderator – und setzen sich uns quasi vor die Nase. Üffz!

Wer etwas von den Herren wissen wollte, brauchte sich nur zu melden und wurde mit etwas Glück von dem Moderator aufgerufen. Brian schien gut gelaunt zu sein, war schlagfertig wie eh und je und erzählte auch bereitwillig von seinem most awkward moment während der Tour. Das war, als Stef in Moskau dem Publikum mitteilen musste, dass das Konzert nicht mehr weitergehen würde, weil Brian in der Garderobe, wie er sagte, versuchte, mit der Wand und der Bank davor zu verschmelzen. Nervenzusammenbruch. Es sei eben auch nur ein Mensch und das sei auch der Grund, warum er manchmal unwirsch reagiert. Wenn er einen dicken Pickel im Gesicht hat, will er nicht fotografiert werden. (Das ist nur allzu verständlich. Aber, Brian, die Make-up-Artistin der Band kann doch vorm Konzert wahre Wunder wirken, oder?)

Auf die Frage, welches Tattoomotiv Steves nächstes sein sollte, schlug er einen Buddha vor und prompt wurde Steve gefragt, welches Tattoomotiv sich Brian seiner Ansicht nach zulegen sollte. Während der Drummer noch am Überlegen war, raunte Brian ihm zu, er soll sagen „ein Buddha“, was Little Stevie Forrest sofort wiederholte. Gelächter im Saal. Als empfehlenswerte Band betrachtet Brian übrigens The Naked and Famous.

Eine Zuschauerin, die aus Los Angeles angereist war, wollte wissen, wann Placebo noch einmal Konzerte in den USA geben. Brian erklärte, dass das dann sein wird, wenn es Homosexuellen in den USA erlaubt sein wird zu heiraten. Und zwar in allen Bundesstaaten. Er fügte zu Stef gewandt leiser hinzu, dass er es sich allerdings nicht erklären könne, warum überhaupt jemand, also auch Heterosexuelle, heiraten sollte.

Es herrschte eine lockere Atmosphäre, Brian und Steve schienen relaxed zu sein, bloß Stef schaute weniger gut gelaunt drein, plauderte aber auch mit dem Publikum. Dass man an einem neuen Album arbeitet, wurde nun endlich bestätigt, und nach Brians Aussage soll es Ende des Jahres erscheinen.

Nach etwa einer halben Stunde hieß es dann Abschied nehmen. Die Zuschauer wurden gebeten, sitzen zu bleiben, damit die Band und ihre Familien und Freunde den Saal ungestört verlassen konnten – und danach ging der Run der Fans in Richtung Konzerthalleneinlass los…

Irgendwie schafften wir es, ein gutes Plätzchen im ohnehin recht kleinen IndigO2 zu ergattern. Bill und Nick flanierten lockerflockig durch die Konzerthalle, die sich mehr und mehr füllte, und um Punkt 20 Uhr legte die Supportband Shields los. Obwohl drei Gitarren in Aktion waren (neben Bass, Keyboard und Schlagzeug) waren die Herren für meinen Geschmack ein bisschen lasch und meine Begeisterung galt lediglich der schönen roten Gibsongitarre des Sängers. Nett fand ich es aber, dass der Sänger ein paar T-Shirts von der Bühne in die Zuschauermenge warf.

Nach kurzer Umbauphase ging dann um 21 Uhr das Licht aus für Placebo. Nachdem in Edinburgh und Liverpool dieselben Songs gespielt wurden – keine neuen Lieder übrigens – erwartete ich für das Konzert in London keine Überraschungen, doch die erste folgte sofort: Als Intro diente „Leeloo“, B-Seite von „Pure morning“! DAS hatte bisher keiner erwähnt und soweit ich weiß, wurde dieses Lied bislang nicht als Konzertintro verwendet! Außerdem sang Brian endlich wieder den kompletten Text von „Meds“ – inklusive „And the sex and the drugs and the consequences“, was in den letzten Jahren einfach ausgeblendet worden war, genauso wie die mehr oder weniger unverständlichen Schlusslyrics von „The bitter end“, die Brian diesmal wieder im Gepäck hatte. Nebst der roten Gibson SG Standard full pickguard mit Tremolo, die, wenn mich nicht alles täuscht, 2004 zum letzten Mal auf der Bühne zum Einsatz kam und an diesem Abend für „Bright lights“ und „The bitter end“ benutzt wurde. Es gab also schon einige Dinge, die mich total geplättet haben, wobei es dazu eigentlich nicht viel bedarf, sobald Brian, Stef und Steve auf der Bühne loslegen.

Ganz außergewöhnlich fand ich es auch, endlich einmal in den Genuss zu kommen, die Band vor meinen Augen „Without you I’m nothingspielen zu sehen, zwar nicht gerade eins meiner Lieblingslieder, aber ein Placebo-Klassiker allemal. Brian schaute dabei ziemlich oft in Richtung Balkönchen – ich wüsste ja zu gerne, wen er da im Blick hatte!

Videoleinwände gab es diesmal nicht, dazu war der Bühnenbereich offenbar zu klein; im Hintergrund hingen lediglich mehrere senkrecht angeordnete Lichtröhren, die mehrfach ihre Farbe wechselten. Aber wer braucht schon ein Zusatzprogramm, wenn Brian & Co. auf der Bühne stehen? Ich jedenfalls bin vollauf glücklich, wenn ich die Band beim Musizieren sehen kann, deshalb haben mir die Projektionen nicht gefehlt. Die Stimmung um mich herum war blendend, alle schienen das, was zu sehen und zu hören war, zu genießen, manche sogar ein bisschen zu viel, sodass Brian mit denjenigen, die offenbar ohne Rücksicht auf andere herumhopsten und nach vorne drängten, ein ernstes Wörtchen sprach. Niemand soll seiner Ansicht nach bei einem Placebokonzert verletzt werden und wer sich nicht benehmen kann wie ein Erwachsener, hat bei einer solchen Veranstaltung nichts zu suchen. (Es folgte übrigens passenderweise „Teenage Angst“.) Die Standpauke kam beim Publikum gut an. Genauso wie Stef, der den Zuschauern mal wieder zeigte, wie cool ein hochgewachsener Schwede beim Bass- und Gitarrespielen aussehen kann – mit Vollbart statt Glitzeranzug. Seine Bewegungen sind pure Ästhetik, ein Augenschmaus! Und wenn wir schon beim Thema Ästhetik sind: Ich kann nur schwer beurteilen, was in den letzten Tagen für mehr Gesprächsstoff sorgte – Steves lange, gebleichte Mähne, am Hinterkopf in der Art der Samurai zusammengebunden oder Brians neuer Hairstyle, der von Johnny Cash inspiriert zu sein scheint; auch Vergleiche zu Elvis Presley wurden schon geäußert.

Wie dem auch sei: Placebo (inklusive Fiona Brice, Bill Lloyd und Nick Gavrilovic) haben wieder einmal bewiesen, dass sie die Bude rocken können. Es wird nie langweilig, sie zu sehen, auch wenn die Änderungen in der Setlist in letzter Zeit eher minimal waren (beschönigend formuliert). Ich bin schon jetzt gespannt, welche Überraschungen die Auftritte im Sommer bieten werden!

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle die komplette Setlist genannt:

Leeloo (Intro)
For what it’s worth
Ashtray heart
Battle for the sun
Soulmates
Every you every me
Special needs
Breathe underwater
Without you I’m nothing
Black-eyed
Meds
Bright lights
Teenage angst
Special K
Song to say goodbye
The bitter end

Running up that hill
Post blue
Blind
Infra-red
Taste in men

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3 Antworten zu Konzertreview #3_1

  1. Chris schreibt:

    Nein, ich bin nicht böse,der Kommentar war ja eh für euch und nicht für andere. 🙂

  2. kitz schreibt:

    @Luzie: Vielen Dank für deinen tollen Bericht. Ich ärgere mich immer noch etwas, dass ich mich vorher nicht besser über das Kinointerview informiert hatte. Wer kann denn auch ahnen das gleich alle drei Rede und Antwort stehen. Da wir Plätze auf dem Balkon hatten, konnten wir sogar drinnen warten. Fand ich übrigens ziemlich mies die Leute bei dem Sauwetter draußen stehen zu lassen. Man hätte drinnen locker 2 Schlangen aufbauen können. Naja..!.Ich fand Brian kam auch beim Konzert sehr entspannt rüber, hat viel gelächelt und man konnte ihm ansehen dass er wieder Spaß dran hatte live zu spielen . Ach ja und bei WyIn hat er übrigens mich angelächelt, weil er geahnt hat, dass es mein Lieblingssong ist 😉 Lieben Gruß

  3. Pingback: Placebo in Frankfurt (Festhalle, 27.11.13) | Luzies Welt

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