Konzertreview #4_3

Seite 3 in Luzies Placebo-Konzertreisetagebuch – heute: Hamburg, 1. und 2. Juli 2012, © Luzie

Wie beginnt man eine Review zum A*Rock-Konzert Nr. 3, an dem man dank Ticket gewinnender Freundin teilnimmt? Vielleicht mit meinem Standardsätzchen, das ich in letzter Zeit so oft geäußert habe: „Diesmal komme ich aber nicht so früh an die Halle!“ Denn dieses ewige Warten ist ganz schön anstrengend! Vor allem, wenn man am Tag vor dem Konzert einen ausgiebigen Stadtrundgang durch Hamburg gemacht hat und die Füße sich dementsprechend anfühlen. Zwecks Einkauf von diesen Druckentlastungspölsterchen für die Schuhe (die es dann doch nirgends gab, vielleicht habe ich auch nicht gut genug gesucht), machte ich mich am Vormittag des 2. Juli erneut auf in die Innenstadt und traf an einer roten Fußgängerampel prompt Steve und Nick. Ich bin zwar eher der zurückhaltende Typ, der fremde Leute (und das sind die Musiker ja im Grunde) nicht anquatscht, hätte es in dieser Situation aber doof gefunden, neben den beiden zu stehen und nichts zu sagen, denn es kann ja sein, dass die zwei mich schon einmal gesehen haben und als „die doofe Kuh, die ständig aufs Konzert kommt und dann nicht mal hallo sagt“ wollte ich auch nicht in die Steve‘schen und Nick‘schen Annalen eingehen. Mehr als „Looking forward to the show tonight“ brachte ich allerdings nicht heraus, aber die beiden waren nett und haben gelacht und meinten, sie freuen sich auch aufs Konzert, das bestimmt lustig wird.

Das war übrigens nicht die erste Sichtung dieser Art: Als ich am Abend zuvor am Rathausplatz gerade eine Portion Käsespätzle – nicht gerade eine  typische Hamburger Mahlzeit – vertilgt hatte, liefen doch tatsächlich Fiona, Steve, Nick, Brian und zwei (oder drei?) andere Leute aus dem Placebo-Universum dort vorbei. Die Tatsache, dass ich gar nicht mehr weiß, wer noch dabei war (Bill? Stefs Gitarrentechniker?) zeigt den Grad meiner Konfusion in diesem Augenblick – Wer bitte rechnet mit so etwas? – und auch meinen „Tunnelblick“, denn vor allem diese eine zierliche Person in Baseballkäppi, schwarzem Pullover und blauer Jeans hätte ich hier nun gar nicht erwartet. Kaum dass ich die Truppe wahrgenommen hatte, war sie auch schon wieder weg.

Es waren also am Tag des Konzerts nicht nur meine Fußsohlen lädiert, sondern auch mein Adrenalinspiegel war ein wenig in Aufruhr, ganz zu schweigen von meiner Erkältung, die mich ein paar Tage nach dem Konzert in Paris erwischte und sich hartnäckig hielt – genügend Gründe also, um am Nachmittag des Konzerts noch ein wenig im Hotelzimmer zu chillen. Dummerweise führt der Weg von der U-Bahn-Station an der Konzerthalle, dem Docks, vorbei, und da saßen schon etwa 15 Leute, von denen ich einige kenne.

Wahrscheinlich kann sich jeder denken, was aus meinem geplanten Mittagsschläfchen und dem Vorsatz „Diesmal komme ich aber nicht so früh an die Halle!“ geworden ist: Nüscht! Es ist doch eigentlich viel netter, mit den Leuten, die man ohnehin nicht soooo oft sieht, ein wenig zu plaudern. Also verbrachte ich dann doch den Tag ab etwa 14.30 Uhr vor dem Konzertsaal.

Das hatte den Vorteil, dass ich am Abend wieder einen perfekten Platz in der ersten Reihe ergattern konnte. Doch was war das? Die Leute vom A*Rock-Team ließen die Konzertbesucher an der Barriere erstmal links liegen und trugen das leckere Essen schnurstracks aus der Küche heraus und ins Innere der Halle hinein. Erst nach einiger Zeit wurden auch die Leute in der ersten Reihe bedient. Aber nur mit Essen, davon aber reichlich: Leckere Kleinigkeiten auf Holzspießchen (u.a. gelb gefärbte Blumenkohlröschen, Ziegenkäse plus Olive), Mini-Maultaschen auf einem Mini-Tellerchen, Fish & Chips in der Papiertüte etc. etc. Nachdem mehrmals gefragt wurde, ob es denn auch etwas zu trinken gäbe (man ist nach den A*Rock-Gigs in Paris und Zürich ja an den fantastischen Service gewöhnt), hieß es, dass das Team ausdrücklich nur den Auftrag hätte, Essen zu servieren, keine Getränke. Die Besucher sollen sich an der Bar selbst etwas holen. Wie bitte? Das gute Plätzchen ganz vorne auf Nimmerwiedersehen verlassen? Wenn man Zwergengröße hat wie ich, dann hält man in so einem Fall lieber den Durst aus! Aber Hut ab vor den Security-Leuten, die uns kurze Zeit danach Wasser ausgeschenkt haben, und Hut ab auch vor meinen Nachbarinnen in der ersten Reihe, die mir mein Plätzchen freigehalten haben, als ich dann doch mal zur Bar gegangen bin, um mich mit etwas Höherprozentigem zu versorgen. Schließlich gab es da Drinks mit frischen kleingeschnibbelten Erdbeeren und Sekt, die gut aussahen und auch gut gemundet haben. Erstaunlicherweise kam später dann doch einmal jemand von den Servierkräften mit einer Ladung Cosmos im „Fotograben“ vor der ersten Reihe vorbei.

Um kurz nach 21 Uhr startete der Werbefilm, wie bisher brachen manche Leute in Jubelschreie aus, nachdem nach fast 20 Minuten auch mal die Placebo-Bandmitglieder in dem Video zu sehen waren. Kaum endete der Film, fiel der weiße große Vorhang, der als Projektionsfläche diente und die Bühne bis dahin verdeckte. Vielleicht sollte ich in A*Rock-Review Nr. 3 an dieser Stelle erwähnen, dass Steve seit den Mercedes-Konzerten ein neues Schlagzeug hat: ein aus Plexiglas gefertigtes, also durchsichtiges Drumkit von der amerikanischen Firma SJC. Um kurz nach 21.30 Uhr verkündeten die ersten Klänge von „Leeloo“, dass die Band naht. Da die Bühne im Docks etwas breiter ist als die in Zürich, war der Blick auf Brians Gitarrentechniker diesmal durch zwei große Boxen verstellt, sodass ich dessen Aktivitäten nicht beobachten konnte. Da es in der Halle angenehmerweise nicht ganz so heiß war, vermute ich aber, dass der Feuchtigkeitsüberschuss an den Gitarrenkörpern diesmal nicht allzu hoch war und der gute Mann nicht so viel zu wischen hatte wie in Zürich.

Der Gig lief im Prinzip ab wie die letzten beiden, denn die Setlist war dieselbe wie in Zürich, allerdings mit „Post blue“ als erstes Lied der Zugabe und insofern identisch mit den Liedern, die in Rom gespielt worden waren.

Die Herren, die für die Security zuständig waren und für das Ausfindigmachen von Leuten, die mit Blitz fotografieren, waren meiner Ansicht nach zu Beginn des Konzerts etwas übereifrig. Ständig leuchteten sie mit ihren Taschenlampen nach hinten, um die Leute zu ermahnen, und da das Licht ihrer Lampen anscheinend relativ stark ist, fühlte ich, obwohl der Lichtstrahl gar nicht mir galt, mich manchmal „geblitzdingst“ wie im Film „Men in black“ und sah für ein paar Sekunden nur farbige Punkte – oder den Bauch des Security-Herrn, wenn er sich zudem noch vor mir aufbäumte und mir den Blick versperrte, um mit den Leuten hinter mir zu schimpfen. Zum Glück ließ das wieder nach, denn ich wollte ja schließlich Brian & Co. sehen und hören! Auch wenn es keine musikalischen Überraschungen gab, es ist für mich immer ein Erlebnis, Placebo live zu sehen!

Stef scheint von seinem Gewand mit an den Seiten tief geschlitztem Shirt und Pluderhose restlos begeistert zu sein, denn er hatte es schon wieder an und auch Brian trug dieselbe Kleidung wie in Rom und Paris. Vielleicht wollen die Herren ja allen Konzertbesuchern, egal welchen A*Rock-Gig sie sich nun anschauen, mehr oder weniger dieselbe audiovisuelle Erfahrung bieten?

Nach dem Konzert war erst einmal Konversation mit den vielen Bekannten im Saale angesagt und diesmal wurde auch wieder getanzt. Die Musik, die die beiden weiblichen DJs uns boten, war genau mein Ding und kam auch bei anderen Konzertbesuchern gut an: ein Mix aus sämtlichen Rockvarianten, die man sich nur vorstellen kann, also keine „Discomukke“ mit stampfenden Beats. Wer wollte, konnte sich auch wieder vor dem riesigen Bild der Band fotografieren lassen, und Essen wurde erneut gereicht. Nur die Getränke musste man sich selber an den Bars holen. Schade dass die Erdbeeren irgendwann zur Neige gegangen waren – vielleicht war’s aber auch besser so, auf den einen oder anderen Erdbeer-Drink zwangsweise zu verzichten, denn wenn der Kater am nächsten Tag größer gewesen wäre, wäre die Zugfahrt durch die halbe Bundesrepublik sicher nicht ganz so angenehm gewesen. Beim nächsten und letzten A*Rock-Konzert in Madrid am 5. Juli werde ich leider nicht dabei sein– ich hoffe aber auf viele Twitternachrichten aus Spanien mit den Hashtag #PlaceboGig, denn vielleicht gibt es ja zum Finale eine Überraschung!

© Luzie

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2 Antworten zu Konzertreview #4_3

  1. danke Luzie für den Bericht! Du schreibst wirklich ganz toll (ich würde ja fast wetten, dass Du auch beruflich was mit Sprache zu tun hast?!?)…
    Die zahlreichen Band-Sichtungen sind ja der Hammer, Hamburg ist ja nun nicht gerade klein, Du bist ein Glückspilz! (Brian „einfach so unterwegs“, kaum zu glauben, rund um die Konzerte macht er sich doch eher rar…aber wenn so viele Fans präsent sind, ist das ja auch verständlich.)
    Zu ärgerlich, dass ich vorher nicht an einige PFWW-Leute angeschrieben habe und ein Bild von mir geschickt habe, denn ich war auch nach dem Konzert noch ewig an der Bar (meine Freundin, mit der ich da war, musste zeitig los) und hab mir ganz schön einen angetrunken 😉 … und ich habe mich gefragt, ob ich wohl eine/n von Euch zumindest vom Forumlesen kenne?!? Ich habe Dich und einige andere dann sicher beim Tanzen und Chillen gesehen. Die Musik der DJ-Damen hat mir auch extrem gut gefallen.
    Vielleicht sehen wir uns im Taubertal oder gaaanz vielleicht in Verona, bin ja drauf und dran hinzufahren, mal schauen, mag nicht ganz alleine hinfahren, vielleicht ergibt sich noch was… lg fiona

  2. Chris schreibt:

    Also wirklich Luzie, soviel Glück, kann doch irgendwie nicht mehr wahr sein!!!!!!! 🙂 Dein 3 Bericht ist wieder einfach großartig geschrieben, du hast eine große Begabung so zu schreiben das man das Gefühl hat selbst dabei gewesen zu sein. Vielen lieben dank 🙂

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