Review Placebo Unplugged

Hallo Ihr Lieben,
vor zweieinhalb Wochen sind nun alle Erscheinungsformen von Placebo Unplugged veröffentlich worden. Unser Forum-User Haemoglobin war so lieb und hat uns ein ausführliches Review aus seiner Sicht für den Blog geschrieben. Auch an dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön, dass er sich die Mühe gemacht hat, das alles zu Papier zu bringen. Wir sind begeistert!

Wir wünschen Euch deshalb viel Spaß beim Lesen!
Und wer sich jetzt vielleicht inspiriert fühlt, kann uns auch gern noch Reviews schicken (placeboworld.de[at]gmx.de), die wir hier veröffentlichen. Die Länge ist dabei keine Vorgabe. Oder Ihr kommentiert hier gern unter dem Beitrag 🙂

Los geht’s!

Review Placebo Unplugged

Vom Äußeren her, sind sowohl die Blue-Rays, als auch die DVD sowie die CDs ähnlich, wenn nicht gar identisch aufgemacht. Allen liegt ein hübsches, kleines Booklet bei, das gespickt ist, mit tollen fotografischen Momentaufnahmen des Konzertes. Aber es zählen ja nicht nur die äußeren sondern auch die inneren Werte. Vor allem bei diesem besonderen Konzert. Den Anfang des Konzertes macht die Coverversion von „Jackie“, gefolgt von „For what it´s worth“, zu welcher Brian erstmals sein „Baby“, wie er seine Gitarre liebevoll nennt, in die Hand nimmt. Hier bekommt man auch einen ersten Eindruck von der Fingerfertigkeit der Streicher, welche sich im weiteren Verlauf des Konzertes noch zu steigern vermögen.

Nachdem die letzten Töne verklungen sind, folgt eine kleine und nette Begrüßung von Brian, ehe er die ersten Akkorde von „36 Degrees“ anschlägt, welches sie, nach seinen Angaben, schon ewig nicht mehr gespielt haben. Die Kombination des Klavierspiels und der Streicher im Refrain ist einfach nur schön! Anzumerken ist, dass Brian an diesem Abend sehr redselig war, was er leider nicht immer ist. Seine Nervosität, die er hatte, wie er in einem späteren Interview verlauten lässt, hat er sehr professionell und humoristisch überspielt. Er findet es toll, dass das Konzert gefilmt worden ist, weil sich die Band zwischen den Songs so viel Zeit lassen konnte wie sie will, und er das Publikum so lange anschauen kann wie er will und natürlich auch umgekehrt.

Nach diesem kleinen Schenkelklopfer ertönt „Because I want you“, welches man in dieser Version schon von der Redux-Edition des Albums „Battle for the sun“ kennt. Der Einsatz der Streicher an bestimmten Stellen dieses Liedes, wie z.B. während der 2. Strophe, ist perfekt gewählt und unterstreicht seine Worte „Don´t give up on the dream, don´t give up on the wanting…“ sehr eindrucksvoll. Man hätte es wirklich nicht besser machen können. Dieses Lied ist definitiv einer der Highlights des Konzertes. Anschließend kommt der erste Gastauftritt in Form von Majke Voss Romme, die unter dem Namen „Broken Twin“ ebenfalls musikalisch tätig ist. Sie verleiht mit ihrem Gesang dem Lied „Every me, every you“ eine ganz besondere Note, welche man als traurig und melancholisch interpretieren kann. Bei „Song to say goodbye“ fühlt sich der ein oder andere bei den ersten Akkorden sehr stark an „Smells like teen spirit“ von Nirvana erinnert. Hier drängt sich das Klavier eindeutig in den Vordergrund aber nicht auf penetrante Art und Weise, sondern fügt sich harmonisch in das Gitarrenspiel mit ein. Auch in „Meds“ spielt das Klavier die Hauptrolle, nach und nach setzen anderen Instrumente mit ein. Nach dem 2. Refrain verliert das Lied leicht an Tempo, Brians Gesang verstummt vollends und die Streicher fangen langsam aber sicher an, sich auf eine sehr gefühlvolle und atemberaubende Weise in Ekstase zu spielen. Der Moment steigert sich immer weiter und weiter, bis sich der Song kurz vor der Explosion einfach im Nichts auflöst.

Jetzt ist der 2. Gast an der Reihe, um Brian bei „Protect me from what I want“ zu unterstützen. Es ist Joan Wasser – auch bekannt als Joan as Police Woman. Am Ende des Songs greift Brian zur Mundharmonika, wie er es schon im Rahmen der „Sleeping with ghosts“-Tour gemacht hat. Joan Wasser begleitet ihn mit Backingvocals bis zum Ende, wo der Song abrupt endet. Als nächstes kommt das Titelstück des aktuellen Albums, welches im Vergleich zur Originalversion viel ruhiger daherkommt – ist doch das Klavier wieder das einzige Instrument zu dem Brian seine wundervolle Stimme eindrucksvoll in Szene setzt.

Daran schließt sich „Too many friends“ an. Doch bevor der Song eigentlich beginnt stellt Brian sein „Baby“, wie er seine Gitarre liebevoll nennt, vor. Auch interessant, dass er Bezug auf das japanische Ästhetikkonzept names „Wabi-Sabi“ nimmt und welche Rolle seine „beautiful damaged guitar“ dabei spielt. Von der Aufmachung kommt „Too many friends“ recht gewohnt daher. Einzige Neuerung ist die weichere Aufmachung durch die Akustikgitarre sowie die Streicher – aber genau das macht es eigentlich aus.

Es ist ja bekanntlich kein Geheimnis mehr, dass Placebo sehr experimentierfreudig sind: sowohl bei einigen speziellen Substanzen – was aber glücklicherweise endgültig der Vergangenheit angehört, als auch auch musikalisch, beim Einsatz ihrer Instrumente. Das Instrument, das im nächsten Song eine Rolle spielen wird, hört auf den Namen „Kanun“ und kommt aus dem orientalischen Raum. Doch bevor es los geht, muss das gute Stück nochmal kurz nachgestimmt werden. Seitens Brian sehr humorvoll mit „The kanun is out of tune“ kommentiert. Die „Kanun“ verleiht „Post Blue“ einen interessanten Sound, der etwas an Tausendundeine Nacht erinnert. Als nächstes kommt ein altbekannter Klassiker, der ebenfalls durch ein eher ausgefalleneres Instrument in ein neues Gewand gehüllt wird. Die Rede ist von „Slave to the wage“. Stefan, welcher zuvor auch die Kanun bei „Post Blue“ gespielt hat, hat nun die „Shrutibox“ zur Hand. Bei diesem Instrument handelt es sich vom Funktionsprinzip her um eine „indische Zieharmonika“. Der gut gewählte Einsatz der Streicher lässt einem einen wohligen Schauer über den Rücken laufen. Es fällt auf, dass das Ende Songs leicht abgewandelt worden ist. Fehlen doch die für diesen Song typischen Textzeilen „Run away“, welche duch „Don´t die“ ersetzt worden sind. „Commercial for levi“ grüßt an dieser Stelle.

Dann folgt definitiv ein weiteres musikalisches Highlight – und zwar das Titelstück des Albums „Without you i´m nothing“. Ein Song, der in den letzten Jahren, zu Unrecht, in der Versenkung verschwunden ist. Es ist unmöglich es treffend in Worte zu fassen: ich glaube „die Streicher laufen hier zu absoluter Höchstform auf und fahren die ganz harten Geschütze auf“ würde es am besten treffen. Sie schaffen es einfach die Traurigkeit, Depression und Melancholie dieses Songs perfekt in Noten zu packen. Das weiß selbst Brian am Ende des Songs angemessen zu loben.

Kommen wir nun zu einem vergleichsweise neuem Lied, das aber ebenfalls noch nie live zu hören war. Die Rede ist von „Hold on to me“ und die Klavierbegleitung erinnert etwas an „Loud like love“, wenige Stücke zuvor. Nun ist es an der Zeit für die Weltpremiere eines Songs, von dem man ausging, dass man ihn nie live hören würde. Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Die Rede ist von „Bosco“, welcher die Geschichte der drastischen Auswirkungen von exzessivem Alkoholkonsum auf eine Beziehung erzählt. Hier ist es ebenfalls schwer bis unmöglich die richtigen Worte zu finden. Das Orchester leistet meisterhaftes und unterstreicht sowie vertieft die Emotionen, die Brian im Song vermittelt. Ein musikalisches Feuerwerk, definitiv. Insbesondere gegen Ende des Songs, während der Textzeile „How I suck you dry…“, wo sich die Interpretation auf dem musikalischen Höhepunkt befindet, können einem schon mal die Augen feucht werden. Auch Brian scheint nach diesem Song überwältigt zu sein, weswegen sein knappes, leises und genuscheltes „Thank you, very much“ definitiv gerechtfertigt ist. Nun biegen wir langsam aber sicher auf die Zielgerade ein, mit der Coverversion „Where is my mind?“ von den Pixies. Der mit flotteste Songs des Abends wurde grandios interpretiert und kann locker mit dem Original mithalten.

Bevor das „Schauspiel“ sich endgültig dem Ende zuwendet, lassen es sich Placebo nicht nehmen, sich gebührend zu verabschieden und wie würde das besser gehen, als mit „The bitter end“.

Aber nicht nur musikalisch, sondern auch visuell bekommt man während des Konzertes einiges geboten. Hauptmerkmal ist sicherlich das durchsichtige Netz, das zwischen Bühne und Publikum gespannt ist. Allerlei beeindruckende Lichteffekte werden darauf projiziert: sei es Schneefall bei „Because I want you“, weiße Regentropfen während „Meds“, Rauch bei „Slave to the wage“ oder schwirrende Lichtpunkte bei „The bitter end“, ebenso wie der Bandname nach dem letzten Lied.

Zudem setzen die verschiedenen Scheinwerfer die Kulisse eindrucksvoll in Szene: ein Dach aus Licht z.B. bei „36 Degrees“ und „Post blue“, eine geheimnisvolle und mystische Atmosphäre während „Without you I´m nothing“ oder das blendende, strahlende und trotzdem vollkommene Weiß bei „Hold on to me“.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Placebo den hohen Erwartungen an dieses Konzert mehr als gerecht geworden sind bzw. sie sogar übertroffen haben. Dieses Meisterwerk kann sich ohne jegliches schlechtes Gewissen in die Reihe der Unplugged-Konzerte aus dem Hause MTV einreihen!

 

©Haemoglobin; Dezember 2015

 

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