Bandgeschichte

Als Geburtsphase der Band Placebo könnte man die Zeit Anfang der 1990er Jahre bezeichnen, nachdem Brian in London über eine Freundin Steve Hewitt kennengelernt hatte. Dieser war damals bereits für mehrere Bands als Drummer tätig, unter anderem für Breed, begleitete Brian aber 1993/94 bei einigen Auftritten in Londoner Pubs an den Bongos, während Brian Gitarre spielte und sang. Kurzzeitig nannten sich die beiden Ashtray Heart, nach dem gleichnamigen Song von Captain Beefheart.

Als Brian 1994 mit einer Schulfreundin unterwegs zu einer Kunstausstellung war, machte ihn seine Begleiterin in der U-Bahn-Station South Kensington auf einen großen jungen Mann mit Gitarre auf dem Rücken aufmerksam: Stefan Olsdal, der in Luxemburg dieselbe Schule besucht hatte wie Brian, stand da am selben Bahnsteig. Die beiden hatten in Luxemburg aufgrund unterschiedlicher Interessen so gut wie gar keinen Kontakt miteinander; es stellte sich allerdings rasch heraus, dass Brian und der Schwede mehr Gemeinsamkeiten hatten, als die beiden jemals angenommen hätten. Brian lud ihn zu einem seiner Auftritte ein und nachdem Stef sich ein Bild von Brians musikalischem Talent machen konnte, fragte er direkt nach dem Gig, ob er Brian und Steve als Bassist unterstützen könnte.

Gesagt, getan! Nachdem Stef zu dem Duo dazu­gestoßen war, nahmen die drei 1994 ein Demo mit einigen Songs auf (u.a. „Kanga­roo died“, „Stardate 1804“, „2468“, eine frühe Version von „Hang on to your IQ“), konnten ihre gemeinsame Arbeit aber nicht fortsetzen, weil Steve mit Breed auf Tour musste. Da er eine kleine Tochter hatte, war es für ihn wichtig, ein finanzielles Auskommen zu finden, und Placebo, wie die Band nun hieß, konnte ihm dieses damals noch nicht geben.

Placebo ist eine lateinische Verbform und bedeutet übersetzt „ich werde gefallen“. Genau das wollten Brian und Stefan erreichen; der Bandname wurde aber auch wegen seines guten Klangs gewählt und sollte außerdem zeigen, dass diese Band, benannt nach einem Medikament, das zwar keine medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe hat, aber trotzdem wirkt, irgendwie anders ist als all die Bands, deren Namen mit Drogen zu tun haben. „Anders sein“ war also von jeher das Motto und vor allem in den Anfangsjahren der Band unterstützte auch das Image der Band diese Maxime: Insbesondere Brian galt wegen seines androgynen Äußeren und seines damals recht losen Mundwerks als Provokateur, Skandalmeldungen vor allem in der britischen Presse waren, nachdem die Band einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hatte, keine Seltenheit. Aber noch befinden wir uns gedanklich im Jahr 1994 und der Durchbruch schien noch in weiter Ferne zu sein.

Fest entschlossen, im Musikbusiness Fuß zu fassen, holten Brian und Stef nach Steves Weggang einen Bekannten von Stef mit ins Boot: Robert Schultzberg spielte fortan die Drums und die Band beeindruckte die Musikfachwelt durch ihre Auftritte so schnell, dass bereits im Januar 1996 – ein Jahr nach dem ersten offiziellen Auftritt im Londoner Rock Garden – der erste Plattenvertrag unterzeichnet wurde.

Noch bevor Placebo ihr Album fertiggestellt hatten – als Singles waren zu der Zeit gerade einmal „Bruise pristine“ in der Vinylversion und „Come home“ ver­öffentlicht –, war auch David Bowie auf die Band aufmerksam geworden und lud Placebo ein, ihn auf der „Outside“-Tour in Europa zu unterstützen. Mit einem Schlag spielten die drei also nicht mehr vor wenigen hundert, sondern vor zigtausend Zuschauern.

Im Juni 1996 erschien das Debutalbum „Placebo“, das in Großbritannien mit Gold ausgezeichnet wurde, nachdem die vierte Single, „Nancy boy“, im Frühjahr 1997 auf Anhieb auf Platz 4 in die britischen Singlecharts eingestiegen war und für einen Re-Entry des Albums in den Charts sorgte. Später gab es auch in Frankreich und Belgien die Goldene Schallplatte für Placebos Erstlingswerk.

Es zeigte sich allerdings rasch, dass die Harmonie zwischen Brian und Robert nicht stimmte. Irgendwann war es nach Angaben von Brian so weit, dass die beiden nicht mehr gemeinsam in einem Raum sein konnten, ohne dass Streit entsteht, und Brian beschrieb die Lage sogar so, dass die beiden keine Freunde geworden wären, wenn sie nicht in einer Band gespielt hätten. Daher wurde der Schlagzeuger im Herbst 1996 dazu verdonnert, die Band zu verlassen.

Nachdem Breed sich getrennt hatten, stand einer Rückkehr Steves zu Brian und Stef nun nichts mehr im Wege, und im Video zu „Nancy boy“ ist erstmals Steve zu sehen – allerdings mit verzerrt dargestelltem Gesicht wegen der damals noch existierenden anderweitigen vertraglichen Bindungen des Drummers.

Placebo tourten unermüdlich in den verschiedensten europäischen Ländern und machten sogar Ende 1996 schon Station in den USA. Im Sommer 1997 standen sie erneut für ihren wohl berühmtesten Fan, David Bowie, auf der Bühne, um Konzerte seiner „Earthling“- Tour zu eröffnen. Aber auch im Vorprogramm von U2 waren Brian, Stef und Steve zu sehen.

Anfang 1998 gingen die drei dann wieder ins Studio, um Album Nr. 2, „Without you I’m nothing“, aufzunehmen, das im Oktober 1998 auf den Markt kam. Dadurch dass die vierte Single „Every you every me“ im Soundtrack zum Film „Eiskalte Engel“ zu hören ist, wurde der Bekanntheitsgrad der Band erheblich gesteigert, und auch heutzutage gehört „Every you every me“ zu den Songs, die bei jedem Konzert gespielt werden, weil das in Europa DAS Lied ist, das viele Leute mit Placebo verbinden.

Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung wurde das neue Album in Großbritannien mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet, 2003 war der Platinstatus erreicht. Platin schaffte „Without you I’m nothing“ auch in Australien und in Belgien, in Frankreich gab es immerhin Gold.

Die Tour bescherte den drei Musikern ein Wiedersehen mit ihrem Gönner David Bowie. Zunächst einmal performte er zusammen mit Placebo bei den Brit Awards im Februar 1999 das T-Rex-Cover „20th Century Boy“, das von der Band im Zuge ihrer Teilnahme beim Spielfilm „Velvet Goldmine“ aufgenommen wurde. Dieses besondere Duett wiederholte sich beim Placebo-Konzert in New York Ende März 1999. In diesem Rahmen sang David Bowie auch „Without you I’m nothing“ zusammen mit Brian. Bowie gefiel der Titelsong des Albums so gut, dass er die Band regelrecht dazu drängte, eine neue Version davon mit seinem Gesang aufzunehmen. Das Ergebnis wurde im August 1999 in Form einer Single veröffentlicht.

Ohne längere Pausen tourten Placebo bis Oktober 1999 durch die ganze Welt und erfreuten Fans in Europa, Nordamerika, Asien, Afrika und Australien mit ihren Konzerten.

Die nächsten Monate verbrachten Brian, Stef und Steve nach einer kurzen Zeit der Erholung überwiegend im Studio, um ihren dritten Longplayer, „Black market music“, einzuspielen, der im Oktober 2000 veröffentlicht wurde. Auch Album Nr. 3 verkaufte sich so gut, dass es in verschiedenen Ländern Goldene Schallplatten dafür gab, z.B. in Großbritannien, Australien und Deutschland.

Anders als bei den überwiegend melancholischen Songs auf „Without you I’m nothing“ haben manche Lieder auf „Black market music“ eine politische Message, weil so­wohl die Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern in Seattle im Rahmen der WTO-Konferenz als auch die gewalttätigen May Day-Proteste von Kapitalismuskriti­kern in London starken Eindruck hinterließen. Völlig neuartig für die Musik von Placebo war die Tatsache, dass ein Song, „Spite & Malice“, einen Rap-Part hat, für den der Amerikaner Justin Warfield verantwortlich ist, der sogar mit Placebo beim Reading-Festival auf der Bühne stand, um ebendiesen Song darzubieten. Bis Oktober 2001 spielten Placebo – abgesehen von wenigen eher kurzen Pausen, die teilweise für TV-Auftritte genutzt wurden – quasi ein Konzert nach dem anderen und gönnten sich anschließend einmal eine etwas längere Auszeit. Bis auf ein Tribute-Konzert im April war es 2002 relativ ruhig um die Band.

Im Juli 2002 nahmen Brian, Stef und Steve dann die Arbeiten am nächsten Album auf, das im März 2003 unter dem Titel „Sleeping with ghosts“ veröffentlicht wurde. Es folgte wie üblich eine lange Tour, die mit einem fulminanten Konzert in der Londoner Wembley-Arena am 5. November 2004 ihren Abschluss fand.

Auch für das vierte Album war die Nachfrage groß, sodass es erneut in etlichen Ländern Goldene Schallplatten dafür gab, z.B. in Großbritannien und Frankreich, wo später sogar wie in Deutschland Platin vergeben werden konnte.

2005 sollte für die Band eigentlich ein Jahr der Ruhe sein. Mit der Ende Oktober 2004 herausgebrachten Kompilation „Once more with feeling“ wollte man die Bühnenabstinenz bis 2006 für die Fans leichter verkraftbar machen. Allerdings verkauften sich die musikalischen Werke von Placebo nicht nur in Europa (Gold u.a. in Frankreich und Großbritannien), sondern auch in Südamerika so blendend, dass recht kurzfristig eine 14 Konzerte umfassende Südamerika-Tour für den Frühling 2005 anberaumt wurde.

Im Juli 2005 sah man Placebo erneut auf der Bühne. In Versailles bei Paris spielten sie im Rahmen der Live8-Konzerte zwei Songs und gönnten sich anschließend tatsächlich ein bisschen Ruhe.

Im März 2006 erschien dann Studioalbum Nr. 5, „Meds“, das mit zwei Duetten überraschte: Beim Titeltrack wird der Refrain gesungen von Alison Mosshart (auch bekannt als VV) von den Bands The Kills und The Dead Weather, und bei „Broken Promise“ ist Michael Stipe, Frontman von REM, die sich im September 2011 auflösten, mit von der Partie. Die Placebo-Bandmitglieder betonten nun immer wieder, wie wichtig es ihnen ist, in musikalischer Hinsicht ernstgenommen zu werden, das Image der Band sollte ihren musikalischen Wert nicht in den Schatten stellen, und gerade vom „Nancy boy“-Image wollte man sich lösen. Zu diesem Zweck entstand die Dokumentation „The death of Nancy boy“ und vor allem Brians Äußeres hatte in der „Meds“-Ära so gut wie nichts Paradiesvogelartiges mehr. Offenbar ging die Rechnung auf, denn auch diesmal wurden Placebo mit Gold (Belgien, Österreich, Großbritannien) und Platin (Deutschland, Schweiz, Frankreich) für ihr musikalisches Schaffen belohnt.

Noch vor der Albumveröffentlichung begannen die ersten Konzerte, womit die Ende September 2007 abgeschlossene „Meds“-Tour genauso lang dauerte wie alle vorangehenden Touren.

Am 1. Oktober 2007 kam dann für viele Fans die Schocknachricht: Auf den offiziellen Internetseiten der Band wurde bekannt gegeben, dass sich Placebo von Steve Hewitt wegen musikalischer und persönlicher Differenzen getrennt haben und dass man sich Zeit lassen wolle mit der Suche nach einem neuen Schlagzeuger.

Steves Nachfolger wurde im August 2008 vorgestellt: Ebenfalls ein Steve, damals gerade 21 Jahre alt und in der Musikwelt noch eher unbekannt. Der Kalifornier war zuvor bei Evaline, die 2006 in den USA einige Konzerte zusammen mit Placebo spielten, für die Drums verantwortlich. Steve Forrests markantes Kennzeichen sind die vielen Tätowierungen, die bei ihm von Kopf bis Fuß reichen; ständig kommen neue hinzu.

Der vorerst letzte Tonträger im Albumformat kam im Juni 2009 auf den Markt. Neu an der „Battle for the sun“-Ära ist aber nicht nur der Schlagzeuger und die optimistischere Grundhaltung, die in manchen Songs anklingt. Da der Vertrag mit dem Plattenlabel Virgin ausgelaufen war, unterzeichneten Placebo für alle den europäischen Markt betreffenden Aktivitäten einen Deal beim Indie-Label PIAS, die sich um die Distribution der Platten kümmern, wobei die vollen Rechte an den neuen Songs bei Placebo bleiben. Eine Neuerung ist auch die Tatsache, dass neben Bill Lloyd nun zwei weitere Begleitmusiker auf der Bühne bewundert werden konnten: Fiona Brice (Violine, Keyboard und Backgroundvocals) sowie Nick Gavrilovic als Nachfolger von Alex Lee (Gitarre und Keyboard während der „Meds“-Tour), wobei dieser in die Fußstapfen von Xavior Roide (Keyboard, Samples und Backgroundvocals während der „Sleepings with ghosts“-Tour) getreten war.

Auch „Battle for the sun“ war kommerziell erfolgreich und wurde sowohl in Deutschland als auch in Belgien und Russland mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. In Großbritannien gab es immerhin Silber, aber wenn man bedenkt, dass Placebo inzwischen insgesamt über 10 Millionen Tonträger verkauft haben, kann man das schon als beachtliche Leitung bezeichnen.

Die „Battle for the sun“-Tour begann im Mai 2009 und sollte wie üblich rund 18 Monate dauern, fand aber ein vorschnelles Ende im September 2010. Brians angeschlagener Gesundheitszustand erlaubte es der Band nicht, die insgesamt sechs für die Iberische Halbinsel und für Asien angesetzten Konzerte zu spielen. Mit der Ankündigung, sich erst einmal ausgiebig erholen zu wollen, verabschiedeten sich Placebo bis 2012, überraschten aber im Sommer 2011 mit der Teilnahme an den Stuttgarter Sternstunden, wo sie als Headliner nach 30 Seconds to Mars ein überragendes Konzert vor 35.000 Zuschauern auf dem Stuttgarter Schlossplatz spielten, dem ein Warm-up-Gig in Berlin vorausging.

2012 wollen Brian, Stef und Steve wieder ins Studio gehen, um Album Nr. 7 aufzunehmen. Es darf also spekuliert werden, ob es bei den Konzerten, die für 2012 bereits feststehen, neue Songs zu hören geben wird!

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